PURE die Kink Dokumentation
PURE die Kink Dokumentation

PURE die Kink Dokumentation

PURE die Kink Dokumentation – Die Vielfalt unserer Sexualität

Manchmal kann aus einer kleinen Idee etwas Großes entstehen. Als Swen vor anderthalb Jahren den Einfall hatte, sich bei einem seiner Kunstprojekte dokumentarisch begleiten zu lassen, hätten wir niemals gedacht, dass daraus ein so umfassendes Projekt werden könnte. Swen Brandy, auch bekannt als Carnivore Pictures, und ich hatten zusammen schon einige Ideen und Vorhaben im Bereich BDSM und Fetisch umgesetzt. Neben der Organisation eigener Veranstaltungen und Partys, haben wir z. B. gemeinsam etliche Foto- und Filmshootings mit verschiedenen Models durchgeführt. Während des Corona-Lockdowns mussten viele dieser Projekte zwangsläufig pausieren, weshalb Raum für neue Ideen und Konzepte frei wurde. Nachdem Swen ein Gesuch für einen Kameramann gestartet hatte, meldete sich unter anderem Sebastian Salvor, ein renommierter Foto- und Videojournalist, welcher mit seinem Erfahrungshintergrund die perfekte Ergänzung für unser Team war. Schnell wurde uns klar, dass in dieser Idee viel Potenzial steckt, welches für mehr als eine Folge ausreicht. So wurde PURE die Kink Dokumentation geboren.

Eine Frage der Perspektive

Als passionierte Kinkster haben wir in den letzten Jahren viele Berichte und Dokumentationen über BDSM und Fetisch verfolgt. Dabei fällt auf, dass das Interesse renommierter Medienformate an diesen Themen zugenommen hat. Während diese Inhalte früher allenfalls im Trash-TV oder in Boulevardzeitungen (mehr schlecht als recht) aufgegriffen und gezeigt wurden, gibt es nun vermehrt Beiträge und Reportagen in Formaten der Öffentlich-Rechtlichen, sowie in seriösen Online- und Wochenmagazinen. Trotz dem sich darum bemüht wird eine vermehrt professionelle Perspektive zu gewinnen, bleibt die Auseinandersetzung in den meisten Fällen dennoch oberflächlich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Berichte und Dokumentationen in der Regel von Menschen konzipiert werden, die selbst nicht Teil der Szene sind. Auch kommen die emotionale Komponente und das persönliche (Er-)Leben der porträtierten Personen oftmals zu kurz. Es wird sich eher auf extreme Praktiken und Rituale fokussiert, während die persönliche Motivation und die menschliche Seite eher eine untergeordnete Rolle spielen. 


Peppermind ist seit vielen Jahren in der BDSM- und Bondage-Szene aktiv.
Sie hat sich vor allem der Community- und Aufklärungsarbeit verschrieben
und schreibt in diesem Zusammenhang hin und wieder Beiträge zu Themen
wie Kink, Feminismus und Konsens. 

Dabei fließt auch ihr Hintergrundwissen aus der Psychologie mit ein.
Zusammen mit Swen Brandy und Sebastian Salvor hat sie
außerdem das Projekt PURE – die Kink Dokumentation ins Leben gerufen,
welches Personen mit verschiedenen sexuellen Neigungen porträtiert.


Dies führt nicht selten zu Barrieren in der Nachvollziehbarkeit und macht eine Identifikation mit den porträtierten Personen schwer. Denn oftmals können die Berichterstatter:innen das Empfinden und die Motivation der Protagonist:innen nur teilweise verstehen, was sich wiederum auf die Leser:innen und Zuschauer:innen überträgt. Somit bleibt es in vielen Fällen bei einer Betrachtung aus der Außenperspektive und fördert den sogenanntem Zoo-Effekt: Die porträtierten Personen werden exotisiert und von den Zuschauer:innen in ihrem Handeln nur bedingt nachvollzogen. Infolgedessen werden BDSM und Fetisch eher externalisiert und als ein Randphänomen begriffen, welches vor allem außenstehende Personen betrifft. Die Realität sieht jedoch anders aus. Personen, mit entsprechenden Neigungen kommen aus allen Lebensbereichen und Gesellschaftsschichten. Oder anders gesagt, sie leben mitten unter uns. Nur bekennen sich viele, aufgrund der immer noch bestehenden Stigmatisierung, außerhalb der Szene oftmals gar nicht oder nur teilweise dazu. Wer keine Berührung mit der Szene hat weiß demnach gar nicht, welche und wie viele Menschen eigentlich dazugehören.

Gleichzeitig findet aber durch die zunehmende Akzeptanz und das wachsende gesellschaftliche Interesse an der Thematik eine Öffnung statt. Menschen, die diese Neigungen ausleben, wollen sich nicht länger verstecken und suchen vermehrt den Dialog mit der Öffentlichkeit. Bisher gibt es allerdings noch zu wenig Medienformate, die es schaffen eine Brücke zwischen den Menschen innerhalb und außerhalb der Szene zu schlagen. Mit unserer Dokumentation möchten wir ein Stück weit dazu beitragen diese Lücke zu schließen, indem wir versuchen, BDSM und Fetisch nahbar zu machen. Dabei geht es weniger um eine allumfassende sachliche Aufklärung als vielmehr um die persönliche Perspektive der Personen, die die BDSM ausleben. Wir möchten ihr Erleben, ihre Gefühle und die persönliche Bedeutung ihrer Neigungen näher bringen.

Dedita, Sebastian Salvor und Peppermind (Fotografie: Swen Brandy)
Die ersten drei Folgen erscheinen Ende 2021

Nach anderthalb Jahren intensiver Konzeption, spannender Shootings und hitziger inhaltlicher Debatten, haben wir nun die ersten Folgen der Serie so gut wie fertig gestellt. Diese werden ab Mitte Dezember in der Mediathek der sexpositiven Online-Community JOYclub zum Kaufen und Leihen angeboten. Dabei werden die genauen Veröffentlichungsdaten noch zeitnah auf der PURE-Webseite, sowie auf allen Social-Media-Kanälen bekannt gegeben. Ab dem nächsten Jahr möchten wir die Filme außerdem über weitere Plattformen vertreiben und auf Dokumentations- und Filmfestivals einreichen. Darüber hinaus sind weitere Folgen und Filmprojekte in Planung, wie z. B. personenübergreifende Dokumentationsfilme, die sich ganz auf einen Themenbereich fokussieren. Außerdem möchten wir über die Themen BDSM und Fetisch hinausgehen und auch vermehrt Inhalte wie Genderidentität, Feminismus, sexuelle Selbstbestimmung und Einvernehmlichkeit aufgreifen.

www.purekinkdocumentary.com
instagram.com/purekinkdocumentary


Das Projekt PURE wird vom  Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg Unterstützt und gefördert.


Titelbild: Fotograf: Swen Brandy (Carnivore Pictures) Models: Dedita, Sebastian Salvor und Peppermind (NRW/Stuttgart)

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